Zum Inhalt springen
haus100 Startseite Haushalt · Handwerk · Hausmittel

Start Selbermachen

Kerzen selber machen: gießen, ziehen und aus Waben rollen

Für die erste Kerze reichen Wachsreste, ein Docht, ein Wasserbad und eine Form. Ohne Hitze und damit ideal mit Kindern geht es mit Bienenwachsplatten, die du einfach um den Docht rollst.

Im Video

Kerzen ziehen aus Kerzenresten - Kerzen selber machen für Anfänger - Ein Experiment

vom YouTube-Kanal Funkelfaden

Beim Abspielen lädt YouTube (Google) den Player und erhält deine IP-Adresse. Mehr dazu Direkt auf YouTube ansehen

Kurz gesagt

  • Gießen: Wachs im Wasserbad schmelzen, Docht mittig in Form oder Glas stellen, langsam eingießen und mindestens 24 Stunden zimmerwarm ohne Zugluft fest werden lassen.
  • Ziehen: Den Docht immer wieder in flüssiges Wachs tauchen und abkühlen lassen. Die Kerze wächst Schicht um Schicht.
  • Rollen: Eine Bienenwachsplatte bei Zimmertemperatur fest um einen gewachsten Docht wickeln. Kein Feuer, kein heißes Wachs.
  • Sicherheit: Wachs nie direkt auf der Platte erhitzen, brennendes Wachs nie mit Wasser löschen, die Probekerze nie allein brennen lassen.

Welches Wachs eignet sich zum Kerzen selber machen?

Den größten Anteil an allen Kerzen hat laut Kerzeninnung Paraffin, ein kleinerer Teil wird aus Stearin, Bienenwachs oder Mischungen davon gemacht. Für den Hausgebrauch kommen Pflanzenwachse dazu, vor allem für Kerzen im Glas.

WachsSchmelzpunktGut für
Paraffinje nach SorteGießen und Ziehen, gut für Einsteiger und Wachsreste
Stearin63 bis 69 °Cnur Gießen, ist hart und bruchempfindlich, brennt mit heller, ruhiger Flamme
Bienenwachs63 °Calle Verfahren, wird mit Handwärme knetbar
Rapswachs58 bis 62 °CKerzen im Glas, eher hart
Sojawachs46 bis 48 °CKerzen im Glas, weich und cremig

Die Werte für Stearin und Bienenwachs stammen von der Kerzeninnung, die für Pflanzenwachse vom Wachshersteller Hansawax. Weiche Pflanzenwachse halten keine freistehende Kerze, sie gehören ins Glas. Paraffin mit etwas Stearin ergibt die klassische Kompositionskerze, die Vorteile beider Wachse verbindet.

Den Docht kaufst du fertig oder flechtest ihn selbst, wie das geht und welche Dicke passt, steht unter Kerzendocht selber machen.

Kerzen gießen: Schritt für Schritt

  1. Form und Docht vorbereiten

    Stelle den Docht mittig in die Form oder das Glas. Einen Docht mit Metallfuß drückst du am Boden fest, oben klemmst du ihn zwischen zwei Holzstäbchen oder in eine Wäscheklammer, die quer auf dem Rand liegt.

  2. Wachs im Wasserbad schmelzen

    Häng ein Metallgefäß mit dem Wachs in einen Topf mit heißem Wasser und rühr gelegentlich um. So empfiehlt es Hansawax in seiner Anleitung. Ein Wachsthermometer zeigt dir, wann es zu heiß wird: Kerzenwachs hat einen Flammpunkt, und die Temperatur soll auch die Flammpunkte von Duftöl und Farbe nicht überschreiten.

  3. Duft und Farbe zugeben

    Nimm Kerzenfarbe und Kerzenduft, keine Lebensmittelfarbe. Weniger ist mehr: Hansawax zeigt in einem Vergleich, dass eine stark gefärbte Kerze eine kleinere, unruhige Flamme bekommt, weil die Pigmente den Wachstransport im Docht bremsen.

  4. Langsam gießen

    Gieß das flüssige Wachs langsam ein und richte den Docht bei Bedarf wieder mittig aus. Heb einen kleinen Rest Wachs auf.

  5. Abkühlen lassen und nachgießen

    Lass die Kerze mindestens 24 Stunden an einem zimmerwarmen Ort fest werden, ohne Zugluft, damit sie nicht zu schnell auskühlt. Wachs zieht sich beim Erstarren zusammen, rund um den Docht entsteht oft eine Mulde. Die füllst du mit dem aufgehobenen Rest. Danach den Docht kürzen.

Kerze im Glas selber machen

Für Kerzen im Glas nimmst du ein dickwandiges, hitzefestes Glas ohne Sprung und einen Docht mit Metallfuß. Pflanzenwachse eignen sich hier besonders. Ein dünnes Weinglas oder ein Trinkglas mit Riss kann bei Hitze springen. Klare Kerzen aus Kerzengel funktionieren anders, die Anleitung steht unter Gelkerzen selber machen.

Kerzen gießen in der Klopapierrolle

Eine Papprolle ist eine Einwegform für Stumpenkerzen. Stell sie auf Backpapier, dichte den unteren Rand mit Knetwachs oder Alufolie ab und spanne den Docht mittig. Gieß das Wachs langsam ein und lass die Kerze wie in jeder anderen Form abkühlen. Danach reißt du die Pappe ab. Die Oberfläche bleibt rau. Meine Einschätzung: für einen ersten Versuch mit Resten prima, für schöne Kerzen lohnt eine Gießform aus Silikon oder Kunststoff.

Kerzen ziehen: so wachsen sie Schicht um Schicht

Ziehen ist eine der ältesten Techniken. In der Kerzenfabrik läuft der Docht immer wieder durch ein Wachsbad, nimmt jeweils eine Schicht auf, kühlt ab und wächst so laut Kerzeninnung ähnlich den Ringen eines Baumes bis zum gewünschten Durchmesser. Zu Hause machst du das mit der Hand.

  1. Hohes, schmales Gefäß ins Wasserbad

    Das Wachs muss so tief stehen, wie die Kerze lang werden soll. Eine hohe Konservendose oder ein Edelstahlbecher im Wasserbad passt. Bienenwachs und Paraffin lassen sich ziehen, reines Stearin nicht.

  2. Eintauchen, herausziehen, abkühlen

    Tauche den Docht kurz ein, zieh ihn zügig heraus und lass die Schicht an der Luft erstarren. Bleibt er zu lange im Wachs, schmilzt die vorige Schicht wieder ab.

  3. Wiederholen, bis die Dicke stimmt

    Mit jedem Durchgang wird die Kerze etwas dicker. Den unteren Tropfen schneidest du zwischendurch ab. Zum Schluss den Fuß gerade schneiden.

Kerzen aus Bienenwachsplatten rollen

Gewalzte Bienenwachsplatten mit Wabenmuster sind der einfachste Weg zur eigenen Kerze. Laut Herstellerangabe eines Wachswaben-Sets sollte die Platte vor dem Verarbeiten Zimmertemperatur haben, etwa 20 °C, oder kurz in lauwarmes Wasser gelegt werden, damit sie weich wird.

  1. Docht anlegen

    Lege einen gewachsten Docht an den trockenen Rand der Platte, sodass er oben etwa 2 cm übersteht.

  2. Fest rollen

    Roll die Platte straff um den Docht. Je fester du rollst, desto weniger Hohlräume, desto gleichmäßiger brennt die Kerze später.

  3. Dicker werden lassen

    Für eine dickere Kerze legst du die nächste Platte an und rollst weiter. Die Kante drückst du mit warmen Fingern an.

Weil Bienenwachs durch Handwärme formbar wird, ohne zu kleben, brauchst du kein Feuer und keinen Herd. Das ist die Methode für Kinder.

Kerzen aus Wachsresten gießen

Alte Kerzenstummel lassen sich gut wiederverwenden. Sortiere sie zuerst nach Farbe und, wenn du es weißt, nach Wachsart: Bunte Reste zusammen ergeben schnell ein trübes Braun, und Duftkerzen mischen ihre Düfte. Bienenwachs schmilzt du am besten getrennt, dann behält es seinen Duft. Alte Dochtstücke, Streichhölzer und Metallplättchen fischst du nach dem Schmelzen heraus. Weil du bei gemischten Resten nicht weißt, wie das Wachs brennt, lohnt ein Probebrand mit einer kleinen Kerze, bevor du die große gießt. Was sich nicht mehr verwerten lässt, gehört in den Restmüll, siehe sulixo.de: Kerzen entsorgen.

Sicherheit beim Kerzen machen

Wachs gehört ins Wasserbad, nie direkt auf die Herdplatte, weil sich seine Dämpfe beim Überhitzen entzünden können. Fängt Wachs Feuer, nimmst du den Topf von der Platte und erstickst die Flamme mit einem Deckel. Kein Wasser: Es wirkt auf brennendem Wachs wie auf brennendem Fett. Für den Probebrand gelten die Regeln der Kerzeninnung: nicht brennbare Unterlage, keine Zugluft, Abstand zu Deko und Vorhängen und eine brennende Kerze nie unbeaufsichtigt. Das Institut für Schadenverhütung sieht jedes Jahr Wohnungsbrände durch vergessene Kerzen. Ausführlicher steht das unter Sicherheit beim Kerzendocht.

Kinder nur mit Begleitung. Heißes Wachs verbrennt die Haut. Rollen und Verzieren können Kinder allein, Schmelzen und Gießen übernehmen Erwachsene.

Häufige Fragen

Was braucht man, um Kerzen selber zu machen?

Wachs, einen passenden Docht, ein Wasserbad aus Topf und Metallgefäß, eine Form oder ein hitzefestes Glas und etwas, das den Docht mittig hält. Ein Wachsthermometer ist hilfreich, ein Deckel zum Löschen Pflicht.

Bei welcher Temperatur gießt man Kerzen?

Das Wachs muss vollständig geschmolzen sein, darf aber nicht über die Flammpunkte von Wachs, Duft und Farbe steigen. Die Schmelzpunkte unterscheiden sich stark, Sojawachs schmilzt schon bei etwa 46 °C, Stearin erst über 60 °C. Halte dich an die Angabe auf der Wachspackung und miss mit einem Thermometer.

Warum sackt meine gegossene Kerze in der Mitte ein?

Wachs zieht sich beim Abkühlen zusammen. Die Mulde um den Docht füllst du nach dem ersten Erstarren mit etwas aufgehobenem, flüssigem Wachs auf.

Kann man Kerzen in einer Klopapierrolle gießen?

Ja, als Einwegform. Rolle unten abdichten, Docht mittig spannen, Wachs langsam einfüllen und die Pappe nach dem Erkalten abziehen. Die Kerze bekommt eine raue Oberfläche.

Quellen

  1. Rohstoffe: Wachs und Docht Bundesinnung der Wachszieher (Kerzeninnung), Paraffin, Stearin, Bienenwachs
  2. Herstellungsverfahren Kerzeninnung, Ziehen, Gießen, Pressen
  3. Kerzen selber machen, eine Anleitung Hansawax (Wachshersteller), Wasserbad, Flammpunkt, Abkühlen
  4. Kerzenwachse im Vergleich Hansawax, Schmelzpunkte von Pflanzenwachsen
  5. Wachswaben-Set natur aus Bienenwachs Fachhändler, Verarbeitungshinweise für Bienenwachsplatten
  6. Kerzenpflege und Piktogramme Kerzeninnung, Brennanleitung und Warnhinweise