Zum Inhalt springen
haus100 Startseite Haushalt · Handwerk · Hausmittel

Start Reinigen und Pflegen

Wasser entkalken: was nötig ist und was nur Geld kostet

Hartes Wasser ist kein Gesundheitsproblem, sondern ein Problem für Wasserkocher, Armaturen und Warmwasserbereiter. Deshalb entkalkst du meist die Geräte und nicht das Wasser.

Im Video

Wasserhärte

vom YouTube-Kanal Wasserportal

Beim Abspielen lädt YouTube (Google) den Player und erhält deine IP-Adresse. Mehr dazu Direkt auf YouTube ansehen

Kurz gesagt

  • Kalk ist unbedenklich: Hartes Wasser ist laut Umweltbundesamt keinesfalls gesundheitsschädlich. Calcium und Magnesium sind Mineralstoffe, die du ohnehin brauchst.
  • Härte erst erfragen: Dein Wasserversorger muss dir den Härtebereich mindestens einmal im Jahr mitteilen. Weich, mittel oder hart entscheidet, wie du Waschmittel dosierst und die Spülmaschine einstellst.
  • Abkochen hilft nur teilweise: Beim Erhitzen fällt ein Teil des Kalks aus, kalkfrei wird das Wasser nicht. Ein Tischfilter macht frisch weiches Wasser, lässt aber schnell nach.
  • Anlage nur aus technischen Gründen: Eine Enthärtungsanlage schützt Leitungen und Warmwasserbereiter, braucht aber einen Fachbetrieb für Einbau und Wartung. Für das Trinkwasser selbst ist sie unnötig.

Wie hart ist mein Wasser?

Wasserhärte beschreibt vor allem, wie viel Calcium und Magnesium im Wasser gelöst ist. Die Stoffe stammen aus dem Gestein im Untergrund: Versickert Regenwasser, löst es je nach Region unterschiedlich viele Mineralien. Deshalb ist das Wasser in einer Stadt weich und im Nachbarkreis hart, und deshalb ändert sich die Härte an deinem Hahn auch praktisch nie.

Den genauen Wert musst du nicht messen. Nach § 9 des Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes muss dir dein Wasserversorger den Härtebereich mindestens einmal im Jahr mitteilen, meist auf der Rechnung oder auf seiner Internetseite. Die vollständige Analyse bekommst du dort auf Anfrage.

HärtebereichCalciumcarbonat je Literin Grad deutscher Härte
weichweniger als 1,5 Millimolunter 8,4 °dH
mittel1,5 bis 2,5 Millimol8,4 bis 14 °dH
hartmehr als 2,5 Millimolüber 14 °dH

Die Millimol-Werte stehen im Gesetz. Viele Geräte wie Spülmaschine oder Kaffeevollautomat fragen aber nach Grad deutscher Härte, dafür gilt: 1 Millimol pro Liter entspricht 5,6 °dH (Wikipedia: Wasserhärte). Wer es selbst nachprüfen will, nimmt Teststreifen für die Gesamthärte, wie es sie für Aquarien gibt.

Muss man Trinkwasser entkalken?

Aus gesundheitlichen Gründen nein. Das Umweltbundesamt schreibt in seinem Ratgeber „Rund um das Trinkwasser“ klar: Hartes Wasser ist keinesfalls gesundheitsschädlich, und durch hartes Wasser „verkalkt“ man nicht. Auch der DVGW, das technische Regelwerk der Wasserversorger, nennt für die Härte keinen Grenzwert in der Trinkwasserverordnung.

Die Nachteile sind technischer Art. Beim Erhitzen wandelt sich das gut lösliche Calciumhydrogencarbonat in schwer lösliches Calciumcarbonat um, also in den weißen Belag im Wasserkocher, an der Heizspirale der Waschmaschine oder im Boiler. Hartes Wasser braucht außerdem mehr Waschmittel und mehr Regeneriersalz in der Spülmaschine.

Daraus folgt die einfache Regel: Bei weichem und mittlerem Wasser tust du nichts, außer Waschmittel nach Härtebereich zu dosieren. Bei hartem Wasser entkalkst du die Geräte regelmäßig und stellst die Spülmaschine richtig ein, wie im Artikel zum Salz in der Spülmaschine beschrieben. Die Spülmaschine hat ihren eigenen Enthärter schon eingebaut.

Wasser entkalken durch Abkochen, mit Natron und anderen Hausmitteln

Gegen Kalk im Wasser selbst gibt es nur wenige wirksame Hausmittel. Ein Überblick:

MethodeUrteilWarum
AbkochenteilweiseBeim Erhitzen fällt der Anteil aus, der als Hydrogencarbonat gelöst ist, die sogenannte Carbonathärte. Der Rest bleibt gelöst. Abgekochtes Wasser ist weicher, aber nicht kalkfrei.
NatronneinNatron ist schwach basisch, Kalk löst sich aber nur mit Säure. Im Glas hast du danach Wasser mit zusätzlichem Natron, kein enthärtetes Wasser.
Essig oder Zitronensäure ins WasserneinSäure löst Kalkbeläge auf Flächen und in Geräten. Ins Trinkwasser gegeben, nimmt sie die Härte nicht heraus, sie macht das Wasser nur sauer.
Wasserkocher als DestilleneinDestilliertes Wasser entsteht, wenn Dampf aufgefangen und wieder abgekühlt wird. Der Wasserkocher lässt den Dampf in die Küche, zurück bleibt Wasser mit mehr Kalk pro Liter.
Regenwasser zum GießenjaRegenwasser enthält nur wenige Mineralstoffe. Für kalkempfindliche Pflanzen ist es die einfachste Lösung.

Wenn du Wasser für Tee abkochst, setzt sich der ausgefallene Kalk teils als Belag im Kocher, teils als Flocken im Wasser ab. Gieß vorsichtig ab und lass den Rest im Kocher. Für Bügeleisen und Dampfgeräte, die der Hersteller nur mit destilliertem Wasser betreiben will, führt am gekauften destillierten Wasser kein Weg vorbei.

Tischwasserfilter: weiches Wasser für Tee und Kaffee

Filterkannen arbeiten mit Aktivkohle und einem Ionenaustauscher aus Kunstharz, der Calcium und Magnesium gegen Wasserstoff tauscht. Das Wasser wird dadurch weicher, aber auch etwas saurer und mineralstoffärmer. Die Stiftung Warentest hat 2022 acht Filter geprüft: Frisch machten fast alle aus hartem Wasser weiches. Schon nach einem Viertel der angegebenen Kapazität lieferten sie aber nur noch mittelhartes Wasser. In allen Kannen fanden die Prüfer Bakterien, in einer zusätzlich Schimmelpilze.

Ein Filter ist also kein Gesundheitsgerät, sondern ein Geschmacksgerät. Wenn du ihn willst, achte beim Kauf auf drei Dinge:

  • Passender Härtebereich: Achte darauf, für welche Wasserhärte die Kartusche ausgelegt ist, und vergleiche das mit dem Wert deines Versorgers.
  • Preis der Ersatzkartuschen: Die Kanne kostet wenig, die Kartuschen sind der laufende Posten. Wechselst du sie seltener als angegeben, lässt die Wirkung nach und Keime haben mehr Zeit.
  • Kühl lagern und frisch nutzen: Keime vermehren sich vor allem in der Wärme. Die Kanne gehört in den Kühlschrank, nicht neben den Herd, und nach längerer Standzeit, etwa dem Urlaub, startest du mit einer frischen Kartusche.

Enthärtungsanlage, Kalkschutzgerät oder Magnet: was im Haus sinnvoll ist

Für das ganze Haus gibt es Geräte, die direkt hinter dem Wasserzähler eingebaut werden. Das Umweltbundesamt hält sie aus gesundheitlichen Gründen weder für notwendig noch für sinnvoll und warnt: Werden sie nicht gewartet, können sie verkeimen oder zurückgehaltene Stoffe wieder ins Wasser abgeben. Eine technische Ausnahme gibt es: Bei sehr hartem Wasser ab 2,5 Millimol Calcium je Liter sieht die Norm DIN 1988-200 eine Enthärtung oder Stabilisierung vor, wenn das Warmwasser auf über 60 Grad erhitzt wird.

GerätWie es wirktZu beachten
Enthärtungsanlage (Ionenaustauscher)Tauscht Calcium und Magnesium gegen Natrium, das Wasser wird wirklich weich.Natrium steigt, pro Grad entfernter Härte um 8,2 Milligramm je Liter, der Grenzwert liegt bei 200 Milligramm. Salztabletten nachfüllen, Inspektion alle zwei Monate, Wartung halbjährlich durch den Fachbetrieb.
DosieranlageGibt Polyphosphate zu, die den Kalk beim Erwärmen eine Zeit lang in Lösung halten.Chemikalien nachfüllen, Wartung halbjährlich durch den Fachbetrieb.
KalkschutzgerätBildet feine Impfkristalle, an die sich der Kalk anlagert, statt sich in Rohren festzusetzen. Das Wasser bleibt chemisch unverändert.Wirksamkeit nur mit DVGW-Zertifizierung belegt. Wartung nach Herstellerangabe.
Magnet- oder Elektrogerät zum AufsteckenSoll den Kalk durch Felder verändern, ohne ihn zu entfernen.Laut Wikipedia ist die Wirkung umstritten und geht nach einer gewissen Fließstrecke wieder verloren.

Die Angaben zu Natrium, Wartung und Kalkschutzgeräten stammen aus der Verbraucherinformation des DVGW zum Hausanschlussraum. Der DVGW empfiehlt außerdem, zum Trinken und Kochen besser nicht enthärtetes Wasser zu nehmen und die Anlage, wo möglich, nur vor den Warmwasserbereiter zu setzen.

Einbau nur durch den Fachbetrieb. Eine Enthärtungsanlage greift in die Trinkwasserinstallation ein. Arbeiten daran darf nach § 12 der Verordnung über die Versorgung mit Wasser nur ein beim Versorger eingetragenes Installationsunternehmen ausführen. Lass dir dort auch die Bedienung erklären und schließ einen Wartungsvertrag ab.

Meine Einschätzung: Im Einfamilienhaus mit sehr hartem Wasser und Warmwasserspeicher kann sich eine Anlage lohnen, das klärst du mit dem Installateur anhand der Analyse. Für Tee in der Mietwohnung reicht eine Filterkanne.

Wasserkocher, Kaffeemaschine und Armaturen entkalken

Das Umweltbundesamt empfiehlt gegen Kalkablagerungen auf Fliesen, an Armaturen und im Wasserkocher die Hausmittel Zitronensäure und Essig. Für Fliesen und Fugen gelten eigene Regeln, siehe Fliesen reinigen. Bei Geräten gehst du so vor:

  1. Anleitung des Geräts lesen

    Bei Wasserkocher und Armaturen bist du frei. Bei Kaffeemaschine und Vollautomat gibt der Hersteller Mittel und Programm vor. Daran hältst du dich, denn nicht jeder Entkalker ist für jede Maschine freigegeben.

  2. Säure ansetzen

    Zitronensäure löst sich in kaltem Wasser. Nimm sie eher reichlich als knapp: Bei zu wenig Säure in heißem Wasser bildet sich ein neuer, schwer löslicher Belag. Die Hintergründe stehen im Artikel Zitronensäure im Haushalt. Essig ist die Alternative, riecht aber stärker, mehr dazu bei Essig im Haushalt.

  3. Einwirken lassen

    Im Wasserkocher die Lösung stehen lassen, bis sich der Belag gelöst hat. Perlatoren und Duschköpfe legst du in die Lösung ein. Hartnäckiger Kalk braucht einfach mehr Zeit, nicht mehr Kraft.

  4. Gründlich ausspülen

    Lösung weggießen und mehrmals mit frischem Wasser nachspülen, bis nichts mehr nach Säure schmeckt. Beim Kaffeevollautomaten läuft das Spülen im Entkalkungsprogramm automatisch.

Beim Kauf eines fertigen Entkalkers lohnt der Blick auf die Inhaltsstoffe. Viele Mittel enthalten Amidosulfonsäure, auch Sulfamidsäure genannt. Laut DVGW lässt sie sich weder in Kläranlagen noch in Wasserwerken entfernen und reichert sich in Gewässern an. Wo der Gerätehersteller es erlaubt, nimm deshalb Entkalker auf Basis von Zitronen-, Milch- oder Essigsäure.

Häufige Fragen

Ist kalkhaltiges Leitungswasser schädlich?

Nein. Laut Umweltbundesamt ist hartes Wasser keinesfalls gesundheitsschädlich. Calcium und Magnesium sind normale Mineralstoffe. Kalk ist ein technisches Ärgernis für Geräte, kein Gesundheitsrisiko.

Ist abgekochtes Wasser kalkfrei?

Nein. Beim Kochen fällt nur der Teil des Kalks aus, der als Hydrogencarbonat gelöst ist. Der Rest bleibt im Wasser. Kalkfrei ist nur destilliertes oder vollentsalztes Wasser.

Kann man Wasser mit Natron enthärten?

Nein. Natron ist schwach basisch und holt Calcium und Magnesium nicht aus dem Wasser. Gegen Kalkbeläge hilft eine Säure wie Zitronensäure oder Essig, gegen hartes Gießwasser Regenwasser.

Lohnt sich ein Wasserfilter gegen Kalk?

Nur für den Geschmack, etwa bei Tee. Die Stiftung Warentest fand, dass Filterkannen ihre Enthärtung schon nach einem Viertel der angegebenen Kapazität deutlich verlieren. Wer einen nutzt, wechselt die Kartusche pünktlich und stellt die Kanne in den Kühlschrank.

Darf ich eine Enthärtungsanlage selbst einbauen?

Nein. Arbeiten an der Trinkwasserinstallation darf nach § 12 AVBWasserV nur ein eingetragenes Installationsunternehmen ausführen. Auch die halbjährliche Wartung gehört laut DVGW in die Hand des Fachbetriebs.

Quellen

  1. Rund um das Trinkwasser Umweltbundesamt, Ratgeber, Kapitel Weiches Wasser, hartes Wasser
  2. TrinkWas: Trinkwasser aus dem Hahn Umweltbundesamt, Ratgeber, Stand Februar 2020
  3. Wasserhärte DVGW, Härtebereiche und technische Folgen
  4. Trinkwasser-Installation: Hausanschlussraum DVGW, Enthärtungsanlage, Dosiergerät, Kalkschutzgerät
  5. Wasserfilter im Test: Gut filtert keiner Stiftung Warentest, 2022
  6. § 9 WRMG: Angabe der Wasserhärtebereiche Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de