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Kunstleder pflegen und reinigen

Kunstleder ist kein Leder und will auch nicht so behandelt werden. Es braucht kein Fett, sondern Sauberkeit und Schutz vor Hitze, Sonne und Lösemitteln.

Kurz gesagt

  • Reinigen: Warme, milde Seifenlauge mit einem weichen Tuch oder Schwamm, danach mit klarem Wasser nachwischen und trocken reiben. Das empfiehlt auch der Kunstlederhersteller skai.
  • Kein Fett: Kunstleder hat eine geschlossene Kunststoffoberfläche. Lederfett, Öl und Wachs ziehen nicht ein, sondern bilden einen Schmierfilm.
  • Tabu: Lösemittel, Nagellackentferner, Bleiche, Scheuermittel und Polituren. Sie lösen die Deckschicht an oder rauen sie auf.
  • Schützen: Direkte Sonne, Heizung und Hautfett lassen die Beschichtung altern. Ein Kunstleder-Protector bildet einen dünnen Schutzfilm.

Leder oder Kunstleder? So erkennst du den Unterschied

Bevor du pflegst, kläre das Material. Echtes Leder braucht Fett, Kunstleder verträgt es nicht. Drei Hinweise helfen:

  • Rückseite: Kunstleder hat eine textile Rückseite, also ein Gewebe oder Vlies. Echtes Leder ist hinten faserig wie Wildleder. Schau an einer offenen Naht, unter dem Sitz oder an der Unterseite des Kissens nach.
  • Oberfläche: Kunstleder hat laut skai eine gleichmäßige Struktur ohne natürliche Narben und Poren. Bei Leder siehst du kleine Unregelmäßigkeiten, Falten und Poren, die sich nicht wiederholen.
  • Geruch: Leder riecht nach Leder, Kunstleder eher neutral oder nach Kunststoff.

Ein Wassertropfen hilft hier wenig, denn er perlt auch auf pigmentiertem Echtleder ab. Wie du echtes Leder richtig behandelst, steht im Ratgeber Leder reinigen.

PU- oder PVC-Kunstleder: Was ist der Unterschied?

Kunstleder besteht aus einem textilen Träger, einer Schaumschicht für die Weichheit und einer geschlossenen Deckschicht für Farbe und Oberfläche. Die Beschichtung ist entweder aus PVC oder aus Polyurethan (PU).

PVC-KunstlederPU-Kunstleder
Häufig beiGastronomie- und Praxisstühle, Bootspolster, ältere Autos, WohnmobileSofas, Taschen, Jacken, Schuhe, Bürostühle
Grifffester, glatter, oft leicht gummiartigweicher, lederähnlicher
Weich durchWeichmacher im Kunststoffdas Material selbst, meist ohne Weichmacher
Altert durchVerlust der Weichmacher: Das Material wird hart und reißtAbbau der Beschichtung: Sie wird brüchig und blättert ab

Für die Pflege ist der Unterschied kleiner, als er klingt. Beide Varianten reinigst du gleich, beide vertragen weder Lösemittel noch Fett. Am Etikett steht das Material oft als PU, PVC oder Polyurethan, bei Möbeln manchmal nur als Kunstleder oder Lederimitat.

Kunstleder reinigen und pflegen: Schritt für Schritt

  1. Staub und Krümel entfernen

    Sauge das Polster mit der Polsterdüse ab, auch in Falten und Nähten. Sand reibt die Deckschicht sonst beim Wischen auf.

  2. Mit milder Seifenlauge abwischen

    Gib wenig milde Seife oder Spülmittel in warmes Wasser. skai empfiehlt genau das: warme, milde Seifenlauge und ein Mikrofaser- oder Baumwolltuch. Wringe das Tuch gut aus und wische in Bahnen. Bei genarbter Oberfläche oder hartnäckigem Schmutz arbeitest du mit einer weichen Bürste und wenig Druck, damit der Schmutz aus den Vertiefungen kommt.

  3. Klar nachwischen

    Wische mit einem zweiten Tuch und klarem Wasser nach. Seifenreste werden sonst klebrig und ziehen neuen Schmutz an.

  4. Trocken reiben

    Reibe die Fläche mit einem trockenen Tuch ab. Nässe soll nicht in Nähte und Schaum laufen. Nicht mit Föhn oder auf der Heizung trocknen.

  5. Bei Bedarf schützen

    Viel genutzte Flächen wie Sitze und Armlehnen kannst du nach der Reinigung mit einem Protector für Kunstleder behandeln. Er legt einen dünnen, unsichtbaren Film auf die Oberfläche, der Schmutz und Hautfett abhält. Kauf ein Produkt, das ausdrücklich für Kunstleder gedacht ist und keine Öle oder Lösemittel enthält. Normale Lederpflege ist dafür nicht gemacht.

Für den Alltag reicht laut skai regelmäßiges Abwischen mit einem feuchten Tuch, eine besondere Pflege ist nicht nötig. Flecken entfernst du am besten sofort: Was eingetrocknet ist, geht deutlich schwerer weg.

Kunstleder reinigen mit Hausmitteln: was hilft, was schadet

HausmittelUrteilWarum
Milde Seife, SpülmittelgutLöst Fett und Alltagsschmutz. Wenig nehmen und klar nachwischen.
Weiche BürstegutHolt Schmutz aus der Narbung, solange du ohne Druck arbeitest.
Lederfett, LederbalsamneinZieht nicht ein, weil die Oberfläche geschlossen ist. Es bleibt ein Schmierfilm. skai rät von Reinigern mit Öl oder Fett ab.
Olivenöl, Babyöl, VaselineneinMacht nichts weicher, glänzt kurz und bindet dann Staub.
Essigeher neinBringt gegenüber Seifenlauge keinen Vorteil, die Säure ist für die Deckschicht unnötige Belastung.
Nagellackentferner, Waschbenzin, SpiritusneinLösemittel. skai schließt sie aus, sie lösen die Deckschicht und die Farbe an.
Chlorreiniger, BleicheneinVerfärben und greifen die Beschichtung an.
Schmutzradierer, ScheuermilchneinSchleifen die Deckschicht ab, die Stelle wird matt und rau.
Möbelpolitur, Cockpitsprayneinskai nennt Poliermittel ausdrücklich als ungeeignet. Silikonsprays machen Sitze außerdem rutschig.

Kunstleder weich machen? Mit Hausmitteln geht das nicht. PVC-Kunstleder wird hart, weil Weichmacher entweichen, und die lassen sich nicht wieder einreiben. Öl auf hartem Kunstleder ist deshalb vergebliche Mühe. Was du tun kannst: Hitze und Sonne fernhalten, damit es langsamer altert.

Kunstleder polieren? Ebenfalls nein. Die Oberfläche hat ihren Glanzgrad ab Werk. Eine Politur legt nur einen Film darüber, der schmiert. Ist die Fläche stumpf, liegt meist ein Schmutz- oder Pflegefilm darauf, und der geht mit Seifenlauge weg.

Kunstleder an Sofa, Autositz, Schuhen und Tasche

Sofa und Stühle

An Kopf- und Armlehnen sammelt sich Hautfett. Wische diese Stellen öfter feucht ab als den Rest. Steht das Sofa in der Sonne oder direkt an der Heizung, rücke es ein Stück weg oder halte tagsüber die Vorhänge zu. Wärme und Sonne beschleunigen das Altern der Beschichtung.

Autositze

Im Auto ist Kunstleder mehr Hitze und Sonne ausgesetzt als in der Wohnung. Der Pflegeratgeber von Colourlock weist darauf hin, dass Kunstleder im Fahrzeug altert, ausbleicht und reißt, wenn es vernachlässigt wird. Reinige die Sitze wie oben beschrieben, nutze im Sommer einen Sonnenschutz für die Scheiben und wirf einen Blick in die Bedienungsanleitung des Autos: Viele Hersteller geben dort Pflegehinweise für ihre Bezüge. Cockpitsprays mit Silikon gehören nicht auf die Sitzfläche.

Schuhe

Kunstlederschuhe wischst du nach dem Tragen feucht ab und lässt sie bei Zimmertemperatur trocknen, nicht auf der Heizung. Klassische Schuhcreme mit Wachs zieht nicht ein. Für Glanz und Schutz nimm ein Pflegemittel, das ausdrücklich für Synthetik oder Kunstleder freigegeben ist. Weiße Sneaker aus Kunstleder behandelt der Ratgeber Weiße Schuhe reinigen.

Taschen und Jacken

Taschen leiden vor allem an Henkeln und Kanten, wo Hände und Kleidung reiben. Feucht abwischen genügt. Kunstlederjacken nur dann in die Waschmaschine, wenn das Pflegeetikett es erlaubt. PU-Kunstleder gilt zwar als waschbar, entscheidend ist aber das ganze Kleidungsstück mit Futter und Einlagen.

Kunstleder wird spröde, rissig oder blättert ab

Hier muss man ehrlich sein: Pflege verlangsamt die Alterung, sie kehrt sie nicht um. Bei PVC-Kunstleder entweichen über die Jahre die Weichmacher, das Material wird steif und bekommt Risse. Bei PU-Kunstleder baut sich die dünne Deckschicht ab. Feuchtigkeit, Wärme, Hautfett und Reibung beschleunigen das. Typisch ist, dass sie an Sitzflächen und Armlehnen zuerst in kleinen Fetzen abblättert, während der Rest noch gut aussieht.

Kleine Risse und Kratzer lassen sich mit Flüssigleder bzw. einer flexiblen Reparaturpaste für Leder und Kunstleder auffüllen und einfärben. Achte beim Kauf darauf, dass die Paste nach dem Trocknen flexibel bleibt und im Farbton anmischbar ist. Das Ergebnis ist eine Ausbesserung, kein Neuzustand. Blättert die Beschichtung großflächig ab, hilft keine Reparatur mehr. Dann bleibt nur ein neuer Bezug vom Polsterer oder eine Husse.

Kein Föhn und kein Bügeleisen. Hitze macht Kunstleder nicht geschmeidig. Sie kann die Beschichtung anschmelzen, Blasen werfen oder die Alterung beschleunigen.

Häufige Fragen

Kann ich Kunstleder mit Lederpflege behandeln?

Nein. Lederpflege enthält Fette und Öle, die in Leder einziehen sollen. Auf der geschlossenen Oberfläche von Kunstleder bleiben sie als Schmierfilm liegen. Nimm milde Seifenlauge und bei Bedarf einen Protector, der für Kunstleder gedacht ist.

Wie oft sollte ich Kunstleder pflegen?

Feucht abwischen, sobald es schmutzig aussieht, an Kopf- und Armlehnen öfter. Eine gründliche Reinigung mit Seifenlauge alle paar Monate reicht für die meisten Möbel. Ein Protector wird nach Angabe auf dem Produkt erneuert.

Kann Kunstleder ausbleichen?

Ja. Hochwertiges Kunstleder hat zwar eine Schutzschicht gegen UV-Licht, auf Dauer bleicht es in praller Sonne trotzdem aus. Im Auto oder am Fenster helfen Sonnenschutz und Abstand zur Scheibe.

Was hilft gegen abblätterndes Kunstleder?

Kleine Stellen lassen sich mit flexibler Reparaturpaste füllen und einfärben. Großflächiges Abblättern ist Alterung der Beschichtung und nicht mehr aufzuhalten, dann hilft nur ein neuer Bezug.

Quellen

  1. Kunstleder Reinigung und Pflege Hersteller skai (Konrad Hornschuch AG)
  2. skai Kunstleder: Aufbau und Eigenschaften Hersteller skai, Schichtaufbau und Erkennungsmerkmale
  3. Kunstleder Wikipedia, PVC mit Weichmachern, PU waschbar
  4. Möbelleder reinigen und pflegen Lederzentrum/Colourlock, Abschnitt Kunstleder
  5. Autoleder reinigen und pflegen Lederzentrum/Colourlock, Kunstleder im Fahrzeug