Kurz gesagt
- Ohne Lauge: Glycerinseife als Seifenbasis kaufen, sanft schmelzen, Duft und Farbe einrühren, in Formen gießen. Das geht in einer Stunde und ist auch mit Kindern möglich.
- Mit Natronlauge (Kaltverfahren): Öle und Lauge nach einem Seifenrechner abwiegen, verrühren, in die Form füllen und die Seife mehrere Wochen reifen lassen.
- Natronlauge ist stark ätzend: Spritzer ins Auge können blind machen. Korbbrille, geeignete Handschuhe, keine Gefäße aus Aluminium, Kinder und Tiere aus dem Raum.
- Verschenken ja, verkaufen nur mit Auflagen: Wer Seife verkauft, braucht nach der EU-Kosmetikverordnung unter anderem eine Sicherheitsbewertung und eine Meldung vor dem Verkauf.
Seife selber machen: gießen oder sieden?
Es gibt zwei grundverschiedene Wege. Beim Gießen schmilzt du eine fertige Seife und formst sie neu. Beim Sieden machst du aus Öl und Natronlauge wirklich Seife, das nennt man Verseifung.
| Schmelzen und Gießen | Kaltverfahren | |
|---|---|---|
| Ausgangsstoff | Glycerinseife (Melt and Pour) | Öle, Fette, Natronlauge |
| Lauge nötig | nein, die Basis ist schon verseift | ja |
| Fertig | nach dem Abkühlen | nach mehreren Wochen Reifezeit |
| Freiheit | Duft, Farbe, Form | auch die Öle und ihre Mischung |
| Mit Kindern | ja, mit Hilfe beim Heißen | nein |
Wer „Seife selber machen ohne Lauge“ sucht, landet immer beim Gießen oder beim Umschmelzen fertiger Seife. Seife ohne Lauge gibt es nicht, irgendwann im Prozess war immer eine im Spiel. Natron aus der Backstube hilft dabei nicht: Natron ist Natriumhydrogencarbonat, keine Natronlauge, und macht aus Öl keine Seife.
Seife gießen ohne Lauge: Schritt für Schritt
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Seifenbasis zerkleinern
Schneide die Glycerinseife in kleine Würfel, dann schmilzt sie gleichmäßig. Es gibt sie transparent und weiß, mit Sheabutter oder ohne bestimmte Tenside.
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Sanft schmelzen
Erwärme die Würfel im Wasserbad oder in kurzen Intervallen in der Mikrowelle. Ein Händler nennt für eine gängige Basis einen Schmelzpunkt von 50 °C und optimal etwa 59 °C beim Verarbeiten und warnt ausdrücklich vor dem Überhitzen.
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Duft und Farbe einrühren
Rühre Seifenfarbe und Duftöl tropfenweise ein. Nimm Produkte, die ausdrücklich für Seife oder Kosmetik gedacht sind. Kerzenduft ist nicht für die Haut gemacht.
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Gießen und Bläschen entfernen
Gieß die Masse in die Form. Etwas Isopropanol aus der Sprühflasche auf die Oberfläche lässt Luftbläschen platzen, so empfiehlt es der Händler.
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Abkühlen, auslösen, verpacken
Lass die Seife vollständig fest werden und drück sie dann aus der Silikonform. Glycerinseife zieht Feuchtigkeit an und „schwitzt“, deshalb wickelst du die Stücke in Folie, wenn du sie nicht gleich benutzt.
Seife raspeln und neu formen
Auch fertige Seife oder Kernseife lässt sich umschmelzen. Reibe sie fein, gib wenig Wasser dazu und lass sie im Wasserbad oder bei niedriger Temperatur im Backofen langsam weich werden. Die Buchautorin Claudia Kasper beschreibt auf naturseife.com, dass das Stunden dauern kann und die Masse nie so flüssig wird wie frische Seife. Sie wird eher gedrückt als gegossen und muss danach wieder trocknen.
Natronlauge: Gefahren und Schutzausrüstung
Für das Kaltverfahren löst du Natriumhydroxid, auch Ätznatron genannt, in Wasser. Die GESTIS-Stoffdatenbank der Unfallversicherung stuft den Stoff mit H314 ein: verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden. Er greift Gewebe rasch in die Tiefe an, bei Augenkontakt besteht Erblindungsgefahr.
- Augen: Eine dicht schließende Korbbrille, keine normale Brille. Sie bleibt auf, bis die Seife in der Form zugedeckt ist, denn auch rohe Seife ist ätzend.
- Hände: GESTIS nennt für Natronlauge unter anderem Handschuhe aus Nitril, Naturlatex, Butyl oder PVC. Stoff- und Lederhandschuhe sind völlig ungeeignet.
- Gefäße: Aluminium, Zink, Zinn und Messing sind ungeeignet, die Lauge greift sie an. Nimm Edelstahl, hitzefestes Glas oder laugenfesten Kunststoff.
- Reihenfolge: Das Ätznatron in kaltes Wasser einrieseln lassen, nie umgekehrt. Die Lauge wird dabei sehr heiß und gast aus, also im Freien oder am offenen Fenster arbeiten und die Dämpfe nicht einatmen.
- Lagerung: Im Originalbehälter, trocken, beschriftet, nie in Lebensmittelgefäßen, unerreichbar für Kinder.
Wenn doch etwas passiert: Laut GESTIS das Auge sofort mindestens 10 Minuten bei gespreizten Lidern unter fließendem Wasser spülen und dann direkt zum Augenarzt oder in die Klinik. Auf der Haut Kristalle abwischen, dann 10 bis 20 Minuten mit fließendem Wasser spülen.
Reste von Ätznatron gehören nicht in den Ausguss oder Hausmüll, die passende Annahmestelle findest du bei sulixo.de.
Seife sieden im Kaltverfahren
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Rezept berechnen
Jedes Öl braucht eine andere Menge Lauge, angegeben als Verseifungszahl. Ein Seifenrechner rechnet sie aus. Man nimmt bewusst etwas weniger Lauge als nötig, die Überfettung, laut Wikipedia oft etwa 7 %. So bleibt kein freies Ätznatron übrig.
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Lauge ansetzen
Mit Brille und Handschuhen das Ätznatron genau abwiegen und in kaltes Wasser einrühren, bis die Lösung klar ist. Abkühlen lassen.
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Öle schmelzen und zusammengießen
Feste Fette sanft schmelzen, flüssige Öle dazu. Sind Öl und Lauge handwarm, laut naturseife.com je nach Mischung etwa 38 bis 50 °C, gießt du die Lauge langsam und ohne Spritzer ins Öl.
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Bis zum Puddingstadium rühren
Mit dem Stabmixer in kurzen Stößen und dem Löffel abwechselnd rühren, bis die Masse andickt wie Vanillepudding. Jetzt kommen Duft und Zusätze hinein.
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In die Form und reifen lassen
Masse in die Form füllen, abdecken, frühestens nach 24 Stunden auslösen und schneiden. Die Stücke trocknen an einem luftigen Ort durchschnittlich drei bis sechs Wochen. In dieser Zeit verseift der Rest und die Seife wird milder. Reine Olivenölseife lagern erfahrene Sieder bis zu einem halben Jahr.
Für eine vegane Seife lässt du Milch, Honig und Bienenwachs weg und nimmst nur pflanzliche Öle. Eine flüssige Handseife entsteht mit Kalilauge statt Natronlauge, das ist ein eigenes Verfahren mit eigener Berechnung.
Aleppo-Seife: Herstellung und Rezept
Aleppo-Seife ist laut Wikipedia eine Seife aus Olivenöl und Lorbeeröl. Traditionell wird das Olivenöl in Aleppo bis zu drei Tage in großen Kesseln gesiedet und verseift, kurz vor Ende kommt das Lorbeeröl dazu. Sein Anteil liegt üblicherweise zwischen 2 und 40 % der Ölmenge. Danach wird die Masse ausgegossen, geschnitten, gestempelt und sechs bis neun Monate gelagert. Dabei bekommt sie außen ihre honigbraune Patina, innen bleibt sie grün.
Zu Hause siedest du sie im Kaltverfahren nach. Ein gängiges Verhältnis sind 80 % Olivenöl und 20 % Lorbeeröl, also zum Beispiel 400 g Olivenöl und 100 g Lorbeeröl. Wie viel Natriumhydroxid und Wasser dazugehören, rechnest du im Seifenrechner mit deiner genauen Ölmenge und der gewünschten Überfettung aus, und zwar jedes Mal neu. Eine Laugenmenge aus einem Rezept im Netz zu übernehmen, ohne nachzurechnen, ist der häufigste Weg zu einer Seife, die auf der Haut brennt.
Gib der Seife Zeit: Olivenölseifen werden mit langer Lagerung fester und milder.
Lorbeerfruchtöl, nicht Lorbeersamenöl. Die EU-Kosmetikverordnung verbietet laut Wikipedia Öl aus den Samen des Echten Lorbeers in Kosmetik. Für Seife wird das Öl aus den Früchten verwendet, auf der Packung als „laurus nobilis fruit oil“. Lorbeeröl kann außerdem Kontaktallergien auslösen.
Aleppo-Seife flüssig machen klappt, indem du sie fein reibst und in heißem Wasser auflöst. Es entsteht ein Seifengel ohne Konservierung. Meine Einschätzung: nur kleine Mengen ansetzen und zügig verbrauchen, weil wasserhaltige Produkte ohne Konservierer verderben können.
Seifenformen: kaufen oder selber bauen
Für Glycerinseife eignet sich jede Silikonform, auch für Pralinen oder Muffins. Achte beim Kauf darauf, dass die Form hitzefest ist und sich weich biegen lässt, dann bekommst du die Seife ohne Bruch heraus. Für das Kaltverfahren muss die Form laugenbeständig sein. Eine Kastenform aus Holz oder ein ausgespülter Getränkekarton tut es auch, ausgelegt mit Backpapier oder aufgeschnittenen Gefrierbeuteln. Keine Formen aus Aluminium.
Selbstgemachte Seife verschenken oder verkaufen?
Seife ist rechtlich ein kosmetisches Mittel. Die EU-Kosmetikverordnung greift, sobald eine Seife im Rahmen einer Geschäftstätigkeit abgegeben wird, entgeltlich oder unentgeltlich. Seife als privates Geschenk für Familie und Freunde fällt nicht darunter. Der Verkauf auf dem Markt oder im Onlineshop dagegen schon.
Wer verkauft, muss laut Bundesinstitut für Risikobewertung die Unbedenklichkeit durch eine Sicherheitsbewertung belegen und das Produkt vor dem Vermarkten im EU-Portal notifizieren, samt Rezeptur. Dazu kommen nach der deutschen Kosmetik-Verordnung die Anzeige des Herstellungsorts bei der Überwachungsbehörde und eine Kennzeichnung auf Deutsch (§ 4). Die Sicherheitsbewertung erstellt eine fachlich qualifizierte Person, das kostet Geld. Versprechen zur Hautgesundheit sind tabu.
Häufige Fragen
Was braucht man, um Seife selber zu machen?
Zum Gießen nur Glycerinseife, Duft, Farbe und eine Silikonform. Zum Sieden Öle, Natriumhydroxid, destilliertes Wasser, eine genaue Waage, Stabmixer, Gefäße ohne Aluminium sowie Korbbrille und Schutzhandschuhe.
Kann man Seife ohne Lauge herstellen?
Nicht von Grund auf. Ohne Lauge kannst du nur fertige Seife umformen: Glycerinseife schmelzen und gießen oder Seifenreste und Kernseife raspeln und neu formen.
Wie lange muss selbstgemachte Seife reifen?
Gegossene Glycerinseife ist nach dem Abkühlen fertig. Kaltgerührte Seife trocknet durchschnittlich drei bis sechs Wochen, reine Olivenölseife und Aleppo-Seife eher länger.
Wie viel Lorbeeröl kommt in Aleppo-Seife?
Traditionell zwischen 2 und 40 % der Ölmenge, selten mehr. Die Beispielrechnung im Artikel arbeitet mit 20 %.
Darf ich selbstgemachte Seife verkaufen?
Nur, wenn du die Pflichten der EU-Kosmetikverordnung erfüllst: Sicherheitsbewertung, Notifizierung vor dem Verkauf, Kennzeichnung und Anzeige des Herstellungsorts. Privat verschenken darfst du sie.
